Der aktive Zweitmarkt für KapitallebensversicherungenLebensversicherungen spielen für die persönliche Altersvorsorge und Absicherung von individuellen Risiken eine große Rolle. Jedoch wird über die Hälfte der Lebensversicherungen vor Laufzeitende storniert. Da der von den Versicherungen angebotene Rückkaufswert häufig vergleichsweise niedrig ist, hat sich ein attraktiver Zweitmarkt für Lebensversicherungen entwickelt. Der Versicherungsnehmer verkauft seine Lebensversicherung über den Sekundärmarkt an einen spezialisierten Makler. Der Kaufpreis liegt dabei zwar unter dem inneren Wert der Versicherung, ist jedoch höher als der Rückkaufswert durch die Versicherungsgesellschaft. Anbieter von Lebensversicherungsfonds bündeln diese Policen in einem Beteiligungsangebot. Die Fondsgesellschaft leistet dann die fälligen Beiträge bis zum Ende der Vertragslaufzeit und erhält dafür die fällige Ablaufleistung, die an die Anleger von Geschlossenen Lebensversicherungsfonds ausschüttet werden. |
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Basiswissen zu Lebensversicherungsfonds
Man spricht von so genannten gebrauchten Lebensversicherungen, da diese von den Versicherungsnehmern nicht mehr benötigt werden. Lebenssituationen, die zum Abschluss einer Versicherung führten, können sich geändert haben: Kreditverbindlichkeiten wurden getilgt, das Eigenheim abgezahlt, die Kinder sind aus dem Haus. Oder aber die versicherte Person hat eine gesundheitliche Veränderung erfahren, ist aber nicht schwer erkrankt. Um die hohen Versicherungsprämien zu sparen, entscheiden sich immer mehr Menschen, ihre nicht mehr benötigte Lebensversicherungen zu stornieren.
Da jedoch Kapital- und Risikolebensversicherungen entweder keinen oder ein zum inneren Wert der Versicherung vergleichsweise geringen Rückkaufswert besitzen, werden die Versicherungsnehmer bei einer Stornierung benachteiligt. Auf dem Zweitmarkt für gebrauchte Lebensversicherungen hingegen wird ihnen ein Kaufpreis geboten, der zwar unterhalb des Auszahlungsbetrages, dem so genannten „Face Value“, aber oberhalb des Rückkaufswertes der Versicherungsgesellschaften liegt.
Durch den Kauf bestehender Policen wird der Fonds neuer Versicherungsnehmer. Er übernimmt die anfallenden Prämienzahlungen und wird zum Begünstigten der Versicherungssumme, deren tatsächlicher Wert höher ist als der Kaufpreis. Der Verkäufer bleibt nach der Veräußerung weiterhin versicherte Person und schafft sich durch den Verkauf finanzielle Spielräume.
Der Markt teilt sich in Lebensversicherungsfonds auf, die in deutsche oder britische Kapitallebensversicherungen (z. B. zur Altersvorsorge) oder US-amerikanische Risikolebensversicherungen investieren, die zumeist der Risikoabdeckung in einem Schadensfall dienen.
Anlagen in deutsche Kapitallebensversicherungen zielen auf die Ablaufleistung der eingekauften Policen ab. Sie haben eine feste Laufzeit mit variabler Höhe der Auszahlung, die direkt abhängig ist von der durch die Versicherung am Kapitalmarkt erwirtschafteten Rendite. Britische Kapitallebensversicherungen verhalten sich ähnlich, sind aber aufgrund der höheren Aktienquote und dem fehlenden Garantiezins risikoreicher. US-Risikoversicherungen sind dem entgegen von der Entwicklung der Aktien-, Renten-, Zins- und Immobilienmärkte unabhängig. Die Auszahlung der Versicherungssumme im Leistungsfall resultiert allein aus den für diesen Fall angesammelten Risikoprämien, deren Gesamtwert bereits zum Investitionszeitpunkt feststeht. Allein der Zeitpunkt des Versicherungsfalles ist unbekannt.
Fast 50 Prozent aller in Deutschland abgeschlossenen Lebensversicherungen werden vor Ablauf der Vertragslaufzeit gekündigt. Bei 97 Millionen Policen entspricht das knapp 50 Millionen Policen, mit denen 12,6 Milliarden Euro an die Versicherungsnehmer ausgezahlt werden. An der Attraktivität und Sicherheit einer deutschen Kapitallebensversicherung wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Bereits heute zeigt sich, dass sich der Trend zur privaten Altersvorsorge aufgrund der Ungewissheit des Rentensystems verstärken wird. Somit ist auch mit einem höheren Stornovolumen zu rechnen. Mit der Steigerung des Bekanntheitsgrades in der Bevölkerung, bestehende Versicherungen gewinnbringend auf dem Zweitmarkt zu verkaufen, sind auf dem deutschen Markt hohe zweistellige Wachstumsraten zu erwarten.
Im Jahr 1844 versteigerte ein Londoner Finanzmakler zum ersten Mal eine bestehende Lebensversicherung. Heute existieren in Großbritannien ca. 200 Lebensversicherungsgesellschaften und Pensionsfonds. Gemessen am Prämienaufkommen ist der Versicherungsmarkt in Großbritannien der drittgrößte Markt weltweit und der größte in Europa. Bis zu 75 Prozent der abgeschlossenen Verträge werden vor dem Ende der Laufzeit gekündigt. Günstig für Versicherungsnehmer und Ankäufer gebrauchter Lebensversicherungen wirkt sich hierbei die Entscheidung der Finanzdienstleistungsbehörde (Financial Services Authority, FSA) aus, die britische Versicherungsgesellschaften seit dem 1. September 2002 verpflichtet, auf die vorteilhafte Alternative des Verkaufs ihrer Police, der so genannten Traded Endowment Policies, auf dem Zweitmarkt für Lebensversicherungen hinzuweisen. So wissen in Großbritannien 85 Prozent der Versicherungsnehmer, dass sie ihre Police auf dem Zweitmarkt verkaufen können.
Ähnlich deutscher Kapitallebensversicherungen kombinieren die Endowment Policies die Altersvorsorge mit der Hinterbliebenenversorgung. Jedoch ist bei einer britischen Kapitallebensversicherung nur die Versicherungssumme am Ende der Laufzeit garantiert. Die jährlichen Bonuszahlungen und der Schlussbonus hängen von der Versicherungssumme und von den Erträgen ab, die das Vermögensmanagement des Versicherten erzielt. Der Rückkaufwert der Police wird jedes Jahr neu ermittelt und dem Versicherungsnehmer mitgeteilt.
Der Markt für gebrauchte Lebensversicherungen in den USA lässt sich in zwei Gruppen aufgliedern: Das Viatical Settlement umfasst Personen, welche an einer schweren Erkrankung leiden und deren Lebenserwartung in der Regel unter zwei Jahren liegt. Diese Policen machen allerdings nur einen geringen Teil des Marktes aus. Aufgrund der vergleichsweise hohen Nachfrage können nur geringere Renditen erwartet werden. Der größte Teil des Zweitmarktes entfällt auf das Senior Life Settlement, der sich gegen Ende der 90er Jahre entwickelt hat und in dessen Mittelpunkt der Ankauf von Versicherungen von Senioren mit einer Lebenserwartung zwischen drei und zehn Jahren steht. Da sich die Restlebenserwartung von älteren Menschen nur bedingt durch den medizinischen Fortschritt steigern lässt, sind die Grundlagen für eine genaue Prognose der Restlebenserwartung eher konstant geblieben.
Die Überwachung der versicherten Person wird durch einen Treuhänder bzw. Trust übernommen. Augrund der weniger restriktiven Datenschutzbedingungen in den USA kann dieser durch das Überwachen der Sozialversicherung zeitnah das Eintreten des Versicherungsfalles erkennen und die fällige Summe von der Versicherungsgesellschaft verlangen.
Das Fondsmodell basiert auf dem Erwerb von so genannten Zweitmarkt-Policen mit kurz- bis mittelfristigen Restlaufzeiten, deren Kaufpreis unterhalb dem geschätzten inneren Wert liegt. Die Rendite errechnet sich aus dem Differenzbetrag zwischen dem Kaufpreis der Lebensversicherungspolice inkl. der zukünftig zu leistenden Prämien und der vertraglich garantierten Ablaufleistung. Wichtig beim Erwerb einer Versicherung ist der Zeitpunkt, denn Vermögenszuwachs und Rendite einer Kapitallebensversicherung verändern sich im Zeitablauf. So verspricht der Kauf einer Kapitallebensversicherung in der zweiten Hälfte der Vertragslaufzeit eine weitaus höhere Rendite als ein Kauf im ersten Laufzeitabschnitt. Auch beim Erwerb einer US-Risikolebensversicherungspolice bei feststehendem Auszahlungsbetrag ist die Rendite abhängig von den noch zu leistenden Prämienzahlungen, also der Restlaufzeit. Variieren die prognostizierten Renditen je Fonds-Modell, lässt sich insgesamt jedoch sagen: Je günstiger der Einkauf einer Police gegenüber der Ablaufleistung, desto höher ist die Rendite für die Investoren.
Die Fonds haben generell das Risiko der Gewerblichkeit. Bei deutschen Kapitallebensversicherungsfonds ist der Anleger in der Regel gewerblich an den Verlusten und Gewinnen der Gesellschaft beteiligt. Die bei langlaufenden privaten Lebensversicherungen bestehende Steuerfreiheit trifft nicht auf Zweitmarktfonds zu. Bezüglich Zweitmarktfonds in Großbritannien und den USA differieren die Angaben der Anbieter. So können Beiträge zu britischen Lebensversicherungen im Gegensatz zu fondsgebundenen Lebensversicherungen als Sonderausgaben von der Steuer abgesetzt werden. Anleger in US-amerikanische Lebensversicherungen erhalten steuerpflichtige Erträge, sofern Zinsen z. B. aus der Liquiditätsreserve anfallen. Zumeist werden nur Risikolebensversicherungen verkauft, deren Auszahlungen vermutlich steuerfrei sind.
Die mit dem medizinischen Fortschritt verbundene gesteigerte Lebenserwartung ist hinsichtlich der Restlaufzeit der größte Einflussfaktor auf die prognostizierte Rendite. Jedoch lassen sich vor dem Policenankauf sehr genaue Statistiken heranziehen, die Krankheitsbilder, verschiedene Verläufe und Therapien umfassen. Es ergeben sich somit statistisch fundierte Prognosen mit einem gut bestimmbaren Risiko.
Bei einer Anlage in Fremdwährung ist zudem mit Währungsschwankungen zu rechen. Anleger sollten darauf achten, dass das investierte Kapital als feste Anlage während der Laufzeit nicht benötigt wird. Da es für geschlossene Fonds, die in gebrauchte Lebensversicherungen investieren, kaum einen ausreichend liquiden Zweitmarkt gibt, ist ein vorzeitiger Verkauf nur mit erheblichem Aufwand und Verlusten verbunden.

