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Anleihen Spezial | 18.01.2012

Gut und Böse

Die Anlageklasse feiert ihren ersten Geburtstag. Gewinner wurden belohnt, Verlierer bestraft. Doch nicht jedes Urteil war gerecht. Wo Anleger jetzt zugreifen sollten

Beim Start der fünften Anleihe von Solar Millennium zeigte man sich selbstbewusst: „Wir entwickeln die Zukunft“ war auf den Wertpapierprospekten zu lesen. Neun Monate später ist die Zukunft Vergangenheit. Der Entwickler wird abgewickelt. Und die Anleihe steht bei sieben Prozent Kurswert. Zurück bleiben 16 000 Anleger, die dem Fotovoltaikunternehmen 227 Millionen Euro geliehen haben. Ob sie davon je etwas wiedersehen werden, kann Insolvenzverwalter Volker Böhm heute noch nicht sagen.
Die Blitzpleite des Erlanger Unternehmens sorgte auch am Markt für Mittelstandsanleihen für Aufsehen. Denn Solar Millennium ähnelt in Größe und Struktur vielen der dort vertretenen Firmen. Und viele davon haben große Probleme.

Während die Mittelstandsanleihen von Maschinenbauern oder Agrarunternehmen ihren Anlegern zuletzt Kursgewinne von bis zu zehn Prozent bescherten, haben sich die Kurse bei fast allem, was nach alternativen Energien riecht, halbiert. Die Papiere von Centrosolar, Solarwatt oder Payom dümpeln nur noch bei 40 bis 60 Prozent des Nennwerts. „Vor allem Projektfinanzierer leiden unter dem anhaltenden Preisdruck aus Asien und dem Wegfall von Subventionen“, erklärt Allan Valentiner, Manager des Johannes Führ Mittelstands-Rentenfonds.

Enttäuschte Erwartungen
Viele der für 2011 angekündigten Gewinnziele konnten daher nicht erreicht werden. Die krasseste Fehleinschätzung lieferte Payom Solar. Noch zu Jahresbeginn stellten die Kölner einen operativen Gewinn (Ebit) von elf Millionen Euro bei 140 Millionen Euro Umsatz in Aussicht. Doch es kam anders: Allein in der Zeit zwischen Januar und September 2011 fiel ein Verlust von 13,8 Millionen Euro an. Der Umsatz blieb mit 51,4 Millionen Euro weit hinter den Erwartungen zurück. Die Hoffnung auf ein positives Jahresergebnis wurde längst begraben. Creditreform stufte das Unternehmen im Dezember gleich um zwei Ratingstufen von „BBB“ auf „BB+“ in den Schrottbereich herunter.

Laut Raimar Bock, Direktor der Close Brothers Seydler Bank, wurden beim Ausverkauf der Solarwerte jedoch auch Fehler gemacht. Als Beispiele führt er den Anlagenbauer Rena (ISIN: DE 000 A1E 8W9 6) und das Recyclingunternehmen SIC Processing (ISIN: DE 000 A1H 3HQ 1) an. Deren Papiere notieren aktuell bei 80 beziehungsweise 90 Prozent Kurswert. Für beide Unternehmen liegen bislang zwar nur Zahlen zum ersten Halbjahr 2011 vor, doch diese besagen, dass sowohl Umsatz als auch Gewinn deutlich gesteigert wurden. Falls die positiven Erwartungen bei der Vorlage der Jahresergebnisse bestätigt werden, könn-
te sich hier ein Nachkauf lohnen.

Dass es auch abseits der Solarbranche stürmisch werden kann, hat im vergangenen Jahr Windreich erfahren. Einige Anleihen des Windkraftanlagenbauers sind auf 65 Prozent gefallen. Im Gegensatz zu den Solarfirmen sind hier jedoch nicht etwa schlechte Zahlen für die Kursverluste verantwortlich, sondern Berichte über den Vorstand Willi Balz. Der Selfmademan neigt dazu, Privates und Geschäftliches zu vermischen, kritisierte unlängst das Handelsblatt. So wurde im vergangenen Jahr bekannt, dass Balz 2009 ein Darlehen über 48,5 Millionen Euro von Windreich genommen hatte, um damit den Kauf von Oldtimern für seine Sammlung zu finanzieren. Da Balz Alleinaktionär von Windreich ist, fördern derartige Aktionen nicht gerade das Vertrauen in die Solidität der Firma. Rein wirtschaftlich läuft es allerdings gut. Gemäß einer Ad-hoc-Mitteilung vom Dezember erwartet Windreich für 2011 einen Ertragsanstieg um 20 Prozent auf zehn Millionen Euro (nach HGB-Bilanzierung).

Stockender Nachschub

Aufgrund der schwelenden Eurokrise ist die Risikoaversion der Anleger im Herbst wieder gestiegen. Einige Unternehmen haben daraufhin ihre geplanten Neuemissionen verschoben, um nicht auf den Papieren sitzen zu bleiben. Der Mangel an qualitativ hochwertigem Nachschub hat dazu geführt, dass Anleger bei den bereits gut gelaufenen Titeln nachgefasst haben. Obwohl Dürr, Senivita oder KTG-Agrar mit guten Zahlen glänzen, ist ein Einstieg zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht mehr sinnvoll. Denn die Renditen der Top-Papiere sind auf vier bis fünf Prozent gesunken. Aktuelle Emissionen von internationalen Großkonzernen bieten da bereits bessere Erträge.

Das Segment der Mittelstandsanleihen hat nun das erste Jahr überstanden. Positiv fällt auf, dass sich die Befürchtung eines rasch erlöschenden Handels bislang nicht erfüllt hat. In fünf bis sechs Börsentagen erreichen die Anleihen einen durchschnittlichen Umsatz von 300 000 bis 400 000 Euro. Ausreichende Liquidität ist somit vorhanden. Wie belastbar die kleinen Unternehmen wirklich sind, wird sich jedoch erst in den kommenden Monaten zeigen. Zwischen Februar und April legen viele Emittenten ihre Geschäftszahlen für 2011 vor. Zeitgleich erscheinen die ersten Folgeratings. Aus der Kombination der Informationen wird sich ablesen lassen, wie es um die Zukunftsfähigkeit des jungen Marktes steht.

EURAMS

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