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Rating | 31.01.2012

Wir hören nicht mehr auf S & P oder Moody’s“

Rainer Jakubowski ist Herr über 23 Milliarden Euro. Zusammen mit Helmut Aden leitet er Deutschlands größte Pensionskasse BVV. Die EuroSchuldenkrise hat einen regelrechten Paradigmenwechsel im einst so berechenbaren

Einstige Sicherheit gilt heute als Risiko.

Euro am Sonntag: Herr Jakubowski, Pensionskassen gehören zur klassischen Käufergruppe von Staatsanleihen. Wie hoch ist der Anteil in Ihrem Portfolio?
Rainer jakubowski: Das sind alles in allem knapp 15 Prozent.

Mussten Sie nach den Rating-Herabstufungen der Eurostaaten ums
chichten?
Nicht wirklich, denn gemäß unserer Statuten müssen wir erst handeln, wenn zwei der drei großen Agenturen einen Emittenten unter das Investment-Grade („BBB-“) stufen. Der Massen-Downgrade erfolgte jedoch nur durch Standard & Poor’s (S & P). Und auch hier wurde keinem der größeren Staaten das Investment-Grade entzogen.
Das erklärt, weshalb die Börsen kaum auf die schlechteren Ratings reagiert haben.
Ja. Ich denke aber auch, dass wir gerade das erleben, was wir schon nach dem 11.  September gesehen haben. Irgendwann stumpft die Dauerkrise den Markt ab und es wird gelassener auf schlechte Nachrichten reagiert.
Die Politik reagierte weniger gelassen auf die Herabstufungen. Die Kritik reicht von „schlechtes Timing“ über „Fehlurteil“ bis „Absicht“.
Darüber kann man nur spekulieren. Wir haben jedoch unsere Schlüsse aus den Erfahrungen der Finanzkrise gezogen und uns unabhängiger vom Urteil der drei großen Agenturen gemacht. Seit Kurzem arbeiten wir für unser tägliches Anlagegeschäft verstärkt mit zwei kleineren Analysehäusern zusammen. Das Urteil unserer Partner hat nun stärkeren Einfluss auf unsere Meinungsbildung als die Ratings von S & P, Moody’s und Fitch.

Hat die Schuldenkrise noch andere Aspekte Ihrer Anlagepolitik verändert?
Ja. Seit die Beteiligung privater Investoren an einer Umschuldung Griechenlands im Raum steht, haben wir keine Eurostaatsanleihen mehr erworben. Die für uns besonders wichtige Tilgungssicherheit der Anlageklasse ist durch diesen Schritt nicht mehr gewährleistet.

Und auf welche Investments sind Sie ausgewichen?
In den vergangenen Wochen haben wir verstärkt in Unternehmensanleihen investiert. Hier möchten wir unser Engagement künftig weiter ausbauen. Zudem verlassen wir zunehmend den Euroraum und bauen größere Positionen in den Emerging Markets auf. Neben asiatischen Aktien haben wir zum Jahresanfang auch zwei Mandate für lateinamerikanische Aktien gestartet.

Verlassen Sie den Währungsraum, weil Sie am Fortbestand des Euro zweifeln?
Wir sind lediglich vorsichtig. Ich schätze die Gefahr eines Scheiterns des Euro zwar nicht als besonders hoch ein, aber sie ist nach wie vor ungleich null.
Der Schuldenschnitt in Griechenland nimmt langsam Gestalt an.

Wird ein Erfolg die erhoffte Entspannung in der Schuldenkrise bringen?
Die langfristige Wirkung des „erzwungenen freiwilligen Forderungsverzichts“ ist derzeit noch nicht abschätzbar. Meines Erachtens wird die Umschuldung aber nicht zur Vertrauensbildung beitragen. Denn Anleger werden sich künftig immer fragen müssen, ob ein Staat auch gewillt ist, seine Schulden zurückzuzahlen. Für dieses Risiko werden Investoren eine adäquate Vergütung verlangen. Ich glaube daher, dass künftig — zumindest bei den Euro-Peripheriestaaten — mit dauerhaft höheren Renditeniveaus zu rechnen ist. 2012 sollte auch nach dem Schuldenschnitt ein anspruchsvolles Jahr bleiben.

EURAMS

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