Rohstoffe | 14.02.2012
Xstrata-Laster vor der Mount-Isa-Mine in Australien Große Sorgen
Angesichts der geplanten Megafusion von Glencore und Xstrata befürchten deutsche Unternehmen weiter sinkenden Wettbewerb in der Rohstoffbranche – und steigende PreiseVON Thomas schmidtutz
Die deutschen Industrieunternehmen sehen die geplante Fusion zwischen den Rohstoffriesen Glencore und Xstrata mit Sorge. „Der Zusammenschluss könnte gravierende Auswirkungen auf die Rohstoffmärkte und die Versorgung der Unternehmen haben“, heißt es beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Bereits jetzt sei die Konzentration auf dem Rohstoffmarkt weit vorangeschritten. Mit der Fusion beider Konzerne würde diese Entwicklung weiter beschleunigt. Daher beobachte man das Vorhaben „sehr sorgfältig“, heißt es aus der BDI-Zentrale in Berlin.
Ähnlich beunruhigt zeigte sich auch der Chef des Kupferkonzerns Aurubis, Peter Willbrandt. Die Kombination von Handel und Produktion könne die Wettbewerbssituation auf „Teilmärkten einschränken oder verschärfen“, warnte er. Zudem würde eine mögliche Fusion zu einer „weiteren Konzentration von Marktmacht in diversen Geschäftsfeldern führen“. Betroffen seien dabei vor allem Zink und Blei. Dagegen dürfte sich die Situation für andere Metalle wie Kupfer „nicht wesentlich verändern“, sagte der Aurubis-Chef.
Umstrittene Pläne
Die am Dienstag angekündigte Fusion des Rohstoffhändlers Glencore und des Bergbaukonzerns Xstrata wäre mit einem Volumen von 90 Milliarden Dollar die bislang größte Transaktion in der Rohstoffbranche. Allerdings ist das Vorhaben heftig umstritten. So halten Xstrata-Investoren die Bewertung des Bergbaukonzerns für zu niedrig. Zudem gibt es Kartellbedenken. Schon jetzt gilt der Rohstoffmarkt mit Anbietern wie BHP Billiton, Vale oder Rio Tinto als Oligopol. Mit dem Zusammenschluss von Glencore und Xstrata entstünde nun der weltgrößte Exporteur von Kohle für Kraftwerke. Zudem hätte der Riese eine führende Position bei weiteren Rohstoffen wie Nickel und Zink.
In der Branche galten beide Konzerne seit Jahren als mögliche Fusionspartner. Glencore hatte 2006 seinen Anteil an Xstrata von unter 15 auf 34 Prozent aufgestockt. Das Bundeskartellamt hatte das Vorhaben damals genehmigt. Unter Beobachtern ist umstritten, ob es nun ein neues Verfahren auf EU-Ebene geben wird. Eine Fusionsanmeldung ist nach EU-Recht beim Überschreiten bestimmter Hürden etwa beim weltweiten Umsatz nötig. Außerdem muss es „eine wesentliche Änderung der Eigentümerverhältnisse“ geben. Diese Regel könnte im Fusionsverfahren um Glencore nun eine zentrale Rolle spielen. In Brüssel wollte man sich zunächst nicht zu dem geplanten Zusammenschluss äußern. Eine Fusionsanmeldung liege bislang nicht vor, sagte eine Sprecherin von EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia auf Anfrage. Beim BDI heißt es hingegen, man gehe „davon aus, dass die geplante Fusion und die Marktfolgen sehr genau geprüft werden“.
In der deutschen Wirtschaft war zuletzt die Sorge vor möglichen Lieferengpässen bei Rohstoffen gewachsen. Bei wichtigen Materialien wie Eisenerz ist Deutschland fast vollständig auf Importe angewiesen. Bei Seltenen Erden, also Metallen, die für Hightechprodukte benötigt werden, hat China inzwischen ein Monopol. „Die Rohstoffversorgung ist eine zentrale Herausforderung für viele Firmen“, heißt es beim BDI.
Erst Ende Januar haben sich zwölf deutsche Konzerne um BASF, BMW und ThyssenKrupp zu einer „Allianz zur Rohstoffsicherung“ zusammengeschlossen. Am Mittwoch unterzeichnete die Bundesregierung zudem eine Rohstoffpartnerschaft mit Kasachstan. Sie soll die Versorgungssicherheit bei Seltenen Erden verbessern. Kasachstan erhofft sich im Gegenzug einen verstärkten Technologietransfer.
EURAMS
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